Die Gilets Jaunes: Ein symptomatischer Konflikt in einer ‚Klassengesellschaft ohne Klassen‘

Jorin vom Bruch

Abstract


Die Protestbewegung der Gilets Jaunes wird als ein spezifisch postfordistischer Klassenkonflikt analysiert. Auf der Grundlage des begrifflichen Instrumentariums der Marx’schen Klassentheorie werden empirisch gestützte Thesen über die Charakteristika der Bewegung formuliert. Der Protest der sogenannten Gelbwesten gegen die Erhöhung der Benzinsteuer artikuliert ökonomisch begründete Existenzängste, die von weiten Teilen der Klasse der Lohnabhängigen geteilt werden. Die militanten Demonstrationen, die Blockaden der Kreisverkehre und die heterogenen Äußerungen
der Demonstrierenden deuten auf eine ungewöhnliche Form der Konfliktaustragung hin. Es wird gezeigt, dass die neoliberale Reorganisation der französischen Gesellschaft durch die Prekarisierung der Arbeitswelt, die Fragmentierung der industriellen Beziehungen sowie eine zunehmende sozialräumliche Polarisierung die Entstehung von „nicht normierten“ Konflikten begünstigt. Während – über das Beispiel Frankreich hinaus – strukturelle Klassenunterschiede an Bedeutung gewinnen, verbleiben institutionalisierte Formen der Verarbeitung von sozialer Ungleichheit weitgehend marginalisiert. Zusammengenommen ergibt sich das widersprüchliche Bild einer Klassengesellschaft, die sich ihren eigenen Bewegungsdynamiken nicht bewusst wird. Vor diesem Hintergrund wird die Frage nach Ansatzpunkten für eine gewerkschaftliche Praxis diskutiert.

Schlagworte


Klassenkonflikt; Gelbwesten; Postfordismus; Klassentheorie; Gewerkschaften

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DOI: https://doi.org/10.15203/momentumquarterly.vol10.no4.p223-236

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